Wenn ich an Bergen denke, denke ich ganz unvermeidlich an die Zeit der Hanse, in der Bergen einst eine bedeutende Rolle einnahm. Auch heute finden sich mit dem UNESCO Welterbe Bryggen und seinen alten Handelskontoren noch Überreste der Bergener Blütezeit. Doch Bergen hat auch darüber hinaus allerhand zu bieten und überzeugt neben den historischen Orten mit einem traumhaft grünen Umland, fantastischen Aussichten und nicht zuletzt mit dem tiefsten und zugleich längsten Fjord Europas.

Blick auf Bergen vom Aussichtspunkt Fløyen

Nach Stavanger war Bergen der zweite Halt unserer Reise durch Skandinavien. Bereits als wir der zweitgrößten norwegischen Stadt mit unserem Auto näher kamen bemerkten wir die dünnen Wolken, die vergleichbar mit dichtem Nebel zwischen den Gebirgszügen und in den Fjorden lagen. Je näher wir Bergen kamen, umso stärker prägten sich die Wolken aus – Bergen war vor allem an diesem Tag ein wahrlich mystischer Ort.

Nachdem wir unser Auto geparkt und die Koffer entladen hatten, machten wir uns auf den Weg in die Stadt und an den alten Hafen der Hanse. Dort angekommen umhüllte der Nebel nun auch die alten Handelskontoren und zog durch die Gassen des UNESCO Welterbes Bryggen – dem alten hölzernen Handelszentrum des einst einflussreichen Stützpunktes der Hanse. Obwohl es sehr stark nach Regen aussah – und ein Aufenthalt in Bergen ohne einen Regentag ist wirklich vergleichbar mit einem „Sechser“ im Lotto – blieb es an diesem Tag trocken. Wir entschieden uns dennoch, vor allem wegen der zuvor langen Fahrt von Stavanger nach Bergen dafür, verhältnismäßig früh am Abend in unsere Unterkunft zurückzukehren und Bergen am nächsten Tag ausgeschlafen weiter zu erkunden.

Der nächste Tag begann sonnig und fast ohne Wolken am Himmel. Diese mussten sich in der Nacht und am frühen Morgen nahezu vollständig aufgelöst haben. Wir gingen erneut zum Hafen, um ein paar Fotos vom Hafengebiet, von Bryggen und den Kontoren im Sonnenschein zu machen. Zudem befand sich während unseres Aufenthalts in Bergen eine Art Kirmes in der Stadt und auch die Festung Bergenhus war in fußläufiger Entfernung erreichbar. Zuvor hatten wir noch eben unser Auto in die Werkstatt gebracht, denn leider meldete sich am Vortag die Motoröl-Kontrollleuchte und wies auf einen notwendigen Ölwechsel hin, der leider nicht bis zu unserer Rückkehr nach Köln warten konnte – was muss, das muss!

Gerade als wir auf dem Weg vom Hafenbecken zur Festung Bergenhus waren bemerkten wir, wie das Wetter umschwenkte und aus den gerade noch spürbar warmen Sonnenstrahlen allmählich eine dichte Decke grauer Regenwolken entstand. Noch bevor wir die Festung erreichten fielen die ersten Tropfen vom Himmel, sodass wir uns gerade noch in das Café der Festung retten konnten, ehe sich die einzelnen Tropfen zu den sprichwörtlichen Bindfäden formten, die es gelegentlich – in Bergen übrigens an rund 250 Tagen im Jahr – vom Himmel regnet. Bei einem Kaffee und einer Kugel Eis warteten wir darauf, dass der Regen vorbeizog. Wie sich am Abend, zurück in unserer Unterkunft herausstellen sollte, hätten wir jedoch auch die Nacht im Café verbringen müssen, wenn wir tatsächlich an diesem Vorhaben festgehalten hätten. Es war also gut, dass wir uns nach über einer Stunde des Aufenthaltes doch für das Weitergehen entschieden. Zunächst besichtigten wir die zugänglichen Teile der Festung, wie etwa die Håkonshalle aus dem 12. Jahrhundert. Die Festung zählt im Übrigen zu den am besten erhaltenen Festungen in ganz Norwegen. Anschließend zogen wir weiter nach Gamle Bergen, der Altstadt Bergens. Auch dort trafen wir, wie auch zuvor in Stavanger, wieder auf die alten in weißer Farbe gehaltenen Holzhäuser. Leider wurde mit jedem Schritt den wir machten auch der zuvor schwächer gewordene Regen stärker, sodass wir erneut ein Café aufsuchten, um unsere Jacken zumindest etwas zu trocknen und uns bei einer Tasse Kaffee zu wärmen – leider war es nicht nur der teuerste Kaffee, den wir in Bergen tranken, sondern auch noch der bitterste Kaffee, sodass am Ende Preis und Leistung doch sehr stark auseinander gingen. Doch wir konnten die Zeit auch nutzen, um die zuvor am Hafen gekauften Postkarten zu schreiben, die wir an Familie und Freunde in Deutschland verschicken würden – eine Karte aus jeder Stadt, in der Hoffnung, dass alle ihren Weg in die Heimat finden würden – sie taten es übrigens, um an dieser Stelle schon einmal vorzugreifen.

So verging erneut eine Stunde des Wartens und Trocknens, während der wir uns überlegten, wie wir am günstigsten und möglichst trocken zurück in die Werkstatt kamen – denn dort stand vom Morgen noch immer unser Auto – abholbereit und mit frischen Motoröl. Wie wir die Onlinekarten und Busfahrpläne auch drehten und wendeten, es ergab sich einfach keine Möglichkeit trockenen Fußes zu unserem Auto zu kommen. Letztlich entschieden wir uns zu Fuß durch die Stadt bis zum Bahnhof zu laufen und auf dem Weg dorthin immer wieder Kaufhäuser zu durchqueren, um jeden sich anbietenden Meter überdachten Weges mitzunehmen. Im Bahnhof angekommen stiegen wir in die Straßenbahn, fuhren ein Stück und legten die letzten zehn Minuten des Weges erneut zu Fuß zurück. Mittlerweile strömte das Wasser vom Himmel, sodass unser Schritt Meter für Meter langsamer wurde, denn nass waren wir so oder so. Unser Glück war es, dass sich in unserer Unterkunft ein Luftentfeuchter befand, mit dem wir am Abend unsere Kleidung innerhalb weniger Stunden wieder getrocknet hatten – wer in Bergen lebt ist entsprechend des Wetters ausgestattet.

Und auch wenn es – und ich behaupt in diesem Punkt nicht einmal im Ansatz zu übertreiben – der mit Abstand nasseste und regnerischste Tag unserer gesamten Reise war, war der Tag in keinem Fall ein Tag zum Vergessen. Wir hatten auch an diesem Tag unglaublich viel erlebt und gesehen und auch der ab Mittag aufgezogene Dauerregen konnte unsere gute Laune nicht trüben. Wir waren schließlich im Urlaub, erlebten, wenn auch unfreiwillig, unseren bislang längsten Regenspaziergang und haben eine ganze Reihe toller Orte in Bergen, wie viele sagen, der schönsten Stadt Norwegens, gesehen.

Am dritten Tag unseres Aufenthalts in Bergen hatte sich der Regen des Vortages gelegt und die Sonne war wieder herausgekommen. Wir starteten den Tag daher statt in Sneakers in unseren festen Wanderschuhen und fuhren mit der Standseilbahn* hinauf auf die Aussichtsplattform des Fløyen, eines Berges an der östlichen Stadtgrenze. Bereits während der Auffahrt mit der Standseilbahn* konnten wir den weiten Blick über den Fjord und den Hafeneingang bewundern, der uns dank eines Glasdaches in der Kabine ermöglicht wurde – die Aussicht aus der vordersten Reihe der Aussichtsplattform ist jedoch schlichtweg unübertrefflich! Von hieraus habt ihr einen fantastischen Ausblick auf den gesamten Hafenbereich, den Anleger der großen Kreuzfahrtschiffe, das alte Hanseviertel Bryggen, den Fischmarkt, die Fußgängerzone, die Universität und vieles mehr.

Nach einem Moment des Verweilens starteten wir unsere Wanderung durch die Umgebung über einen Teil der vielen Wanderwege des Fløyen. Diese waren zu Beginn noch gut ausgebaut und mit leichtem Kies übersäht, wurden mit der Zeit des Wanderns jedoch immer schmaler und weniger gut ausgebaut. Schließlich wanderten wir sogar einen kleinen Bachlauf über mehrere hundert Meter bergauf, entgegen dem hinablaufenden Wasser, welches sich während des Dauerregens am Vortag auf den Bergkuppen in Moos und Erdreich gesammelt hatte. Zwischenzeitlich passierten wir einen von vielen Bergseen, auf denen Familien mit Kanus von einem Ufer an das andere paddelten und wiederum andere Wanderer eine Pause einlegten, um zu grillen.

Einen erneut besonders schönen Ausblick hatten wir, als wir dem Bachlauf bis zum Berggipfel gefolgt waren. Wieder konnten wir auf die Stadt Bergen schauen, wobei der Blick durch die umliegenden Berge eingeschränkt war. Auf einer Zwischenebene zwischen unserem hochgelegenen Standort und der am Meeresspiegel liegenden Stadt befand sich ein tiefblauer Bergsee, umgeben von dichtem Nadelwald – ein Bild, wie man es sich genau so vor der Abreise aus Deutschland von Skandinavien vorstellt.

Unsere weitere Wanderung führte uns vorbei an weiteren Seen, die zumeist von dichtem Nebel überlagert wurden und vorbei an Wasserfällen, die von oben in das Tal hinab stürzten. Nach rund vier Stunden waren wir schließlich wieder am Hafenbecken in der Stadt angekommen, das für unsere Ausflüge und Erkundungen die ganze Zeit über der zentrale Ausgangspunkt gewesen ist. Da uns die Beine nach dem fast permanenten Auf und Ab schmerzten und wir durch die hohe Luftfeuchtigkeit gut ins Schwitzen gekommen sind, kehrten wir am Nachmittag in unsere Unterkunft zurück und verschwanden unmittelbar im Anschluss daran unter der erfrischenden Dusche.

Rückblickend hat uns der Aufenthalt in Bergen mehr als gut gefallen. Die Region ist unheimlich vielfältig und wechselt schnell von hohen Bergen zu flachem Tal. Ich habe selten gesehen, dass ein Berggipfel und ein Hafen so dicht nebeneinander liegen. Und auch der verregnete zweite Tag wird uns positiv in Erinnerung bleiben, denn wann spaziert man sonst schon einen ganzen Tag lang durch den strömenden Regen, wenn nicht unerwartet im Urlaub? Auf keinen Fall wird uns das Wetter und der Titel Bergens als „Regenreichste Stadt Europas“ davon abhalten in das Fjordland an der norwegischen Westküste zurückzukehren.

Noch Fragen?
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