Ein Tag auf der schwedischen Nordseeinsel Asperö

Die Insel Asperö gehört zu dem westlich von Göteborg liegenden Schärengarten, einem Inselverbund in der Nordsee westlich der schwedischen Küste. Obwohl auf Asperö nur rund 400 Einwohner beheimatet sind, die auf einer Fläche von gerade einmal 0,33 km² leben, ist die Insel in jedem Fall eine Reise wert. Hier vergesst ihr schnell die Hektik der Stadt und könnt die Natur und die Ruhe der Insel in vollen Zügen genießen.

Blick auf das 400-Einwohner Dorf auf der Insel Asperö
Blick auf das 400-Einwohner Dorf auf der Insel Asperö

Um nach Asperö zu gelangen fahrt ihr mit der Straßenbahn aus dem Zentrum Göteborgs bis zur Endhaltestelle „Saltholmens Brygga“ (Straßenbahnlinie 11 & 13). Von der Haltestelle aus erreicht ihr in wenigen Metern Entfernung bereits die Fähre, die euch nach einer 15-minütige Überfahrt auf die kleine Insel an der schwedischen Westküste bringt. Besonders vorteilhaft bei einer Anfahrt mit der Straßenbahn ist die Gültigkeit des Straßenbahntickets für die Fährfahrt. Auf diese Weise könnt ihr euch einen weiteren Ticketkauf – zumindest für die Hinfahrt – sparen. (Fahrkarten für den ÖPNV in Göteborg sind zeitlich begrenzt, unabhängig davon, welches Verkehrsmittel ihr innerhalb des Zeitfensters benutzt).

Als wir an Bord der Fähre gingen, stiegen wir direkt hinauf auf das Oberdeck, wobei wir ein kleines Bord-Bistro passierten, an dem wir uns zunächst mit einem warmen Kaffee versorgten. Während unserer Überfahrt mit der Fähre nach Asperö fuhren wir durch dichten Nebel, der in dieser Form sicherlich auch durch die Jahreszeit (Ende Dezember) bedingt war. Wir konnten kaum weiter sehen als einige Meter – von Containerschiffen, die in Göteborg vor Anker lagen, waren lediglich die Umrisse im dichten Nebel zu erahnen. Nach und nach tauchten kleinere Inseln aus dem Nebelfeld auf, auf denen vereinzelt Radartürme und Leuchttürme für die Navigation des Schiffsverkehrs errichtet wurden. Nach rund 15 Minuten tauchte schließlich auch Asperö, die nordöstlichste Insel des südlichen Schärengartens auf. Hier verließen wir die Fähre und schauten dem abfahrenden Fährschiff noch eine Weile hinterher, ehe wir damit begannen die Insel zu erkunden.

Von der Anlegestelle des Fährschiffes führte lediglich ein Weg in das Zentrum der Insel, sodass eine intensive Orientierung zunächst nicht erforderlich war. Der Weg, eine geteerte Straße, führte steil hinauf und durch eine Gesteinsformation, die sicherlich noch aus der Eiszeit resultierte. Übergroße aber fast durchweg glatte Gesteinsformationen zieren, ergänzt durch verschiedenartige Laub- und Nadelbäume, die Landschaft auf Asperö. An den Bäumen wuchs Moos und der Boden links und rechts der Straße war mit dichtem Laub bedeckt. Zwischen den Bäumen lag, ebenso wie über dem Meer, der teils dichte Nebel.

Landschaft auf Asperö
Landschaft auf Asperö

Als wir die Bergkuppe erreichten konnten wir in rund einhundert Metern Entfernung das kleine Dorf ausmachen, in dem rund 400 Menschen leben. Auch heute sind im Dorf noch viele der traditionellen schwedischen Holzhäuser mit ihren bunten Fassaden zu finden, die das Dorf in einer wunderbaren Farbenpracht erscheinen lassen. Etwa in der Mitte des Dorfes befindet sich ein kleiner Lebensmittelladen mit integrierter Poststelle, der in Anbetracht der Größe des Dorfes, ein vergleichsweise großes Warenangebot vorzubringen hat. Hier haben wir während unseres Aufenthalts auf Asperö die meisten Bewohner getroffen. In diesem Laden scheint man sich zu treffen und auszutauschen – weitere Läden sowie Restaurants oder Kneipen gibt es auf Asperö nicht.

Am Ende des Dorfes befindet sich ein kleiner Bootsanleger, in dem in den Sommermonaten eine große Zahl von Segelschiffen und Motorbooten liegen. Während unseres Aufenthaltes befanden sich diese auf Grund der Witterung und der Gefahr eines Frostschadens an Land und wurden von einigen Dorfbewohnern gewartet und instandgesetzt. Ein wenig schmunzeln mussten wir, als wir an einem der kleinen Bootshäuser ein Schild mit der Aufschrift „Marine“ gesichtet hatten. In jedem Fall eine scherzhaft gemeinte Formulierung, da sich doch direkt unterhalb des Schildes ein mit Wasser vollgelaufenes Ruderboot befand, dessen Reling gerade noch so weit durch die Wasseroberfläche stieß, dass die Größe des Schiffes zu erahnen war.

Bootshafen auf Asperö
Bootsanlieger auf Asperö

Als wir den Bootsanleger passierten führte uns ein kleiner Waldweg aus dem Dorf heraus. Der Weg war verhältnismäßig schmal, sodass es sich empfahl hintereinander zu laufen. Begleitet wurden wir, wie bereits auf der gesamten Insel, von den eingangs beschriebenen Gesteinsformationen und den zum Teil stark vermoosten Bäumen links und rechts des Weges. Nach einigen Minuten erreichten wir erneut die östliche Seite der Insel, was in Anbetracht der Inselgröße auch nicht verwunderlich ist. Diese misst gerade einmal rund einen Kilometer Durchmesser. Wir stiegen auf einer Anhöhe auf einen der großen Felsen hinauf und hatten von dort aus freien Blick auf das Meer und die darüber liegende dichte Nebeldecke. Aus der Ferne war ein Schiffshorn wahrzunehmen. Möglicherweise das Horn eines Fährschiffes, das an einer der benachbarten Inseln anlegen wollte. Auf Grund der Sichtverhältnisse blieb dies jedoch lediglich eine Annahme. Der Augenblick hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Gemälde Caspar David Friedrichs „Der Wanderer über dem Nebelmeer“.

Wenige hundert Meter weiter befindet sich eine Badebucht, mit einem kleinen Sandstrand, der mit verschiedenen Muschelarten übersät war. Ein hölzerner Steg führte einige Meter in das Meer hinein und eine Treppe, ähnlich den Treppen in Schwimmbecken, ermöglicht es den Schwimmern nach dem Baden in der Nordsee wieder auf die Insel zurückzukommen.

Gegen Nachmittag hatte sich der Nebel etwas gelegt, sodass wir erneut auf eine der Bergkuppen hinaufgestiegen sind und in der Ferne den Göteborger Containerhafen sehen konnten. Einige Öltanker lagen an der Küste vor Anker, Containerschiffe wurden an den großen Kränen beladen und für die Weiterfahrt gerüstet.

Da nun auch bereits langsam die Dunkelheit einsetzte, was Ende Dezember in Göteborg bereits recht früh geschieht, gingen wir zurück zum Fährkai, passierten dabei einen mit hohem Gras zugewachsenen See und stiegen ein letztes Mal über die großen Gesteinsformationen. Nach kurzer Wartezeit auf die Fähre in Richtung Saltholmen setzte uns das Schiff nach erneut kurzer Überfahrt wieder auf dem Festland ab. Dort stand die Straßenbahn der Linie 11 bereits abfahrbereit an der Haltestelle und brachte uns innerhalb einer 30-minütigen Fahrtzeit zurück in das Zentrum Göteborgs.

Gesteinsformationen an der Küste Asperös
Gesteinsformationen an der Küste Asperös

Der Ausflug nach Asperö war für uns eine unglaublich eindrucksvolle Erfahrung, da das Leben hier, abseits der Großstadt, deutlich ruhiger verläuft und man die Hektik des Alltags schnell vergisst. Hinzukommt die Tatsache, dass auf den Inseln des südlichen Schärengartens keinerlei motorisierte Fortbewegungsmittel zugelassen sind. Hier gibt es keine Autos und auch keine Motorräder. Solltet ihr also einmal nach Göteborg reisen, empfehle ich euch unbedingt auch den südlichen Schärengarten zu besuchen. Sicherlich muss es nicht zwingend die kleine Insel Asperö sein, da der Schärengarten eine Vielzahl kleiner und naturbelassener Inseln umfasst. Letztlich ist Asperö aber die Insel, die dem Fährhafen in Saltholmen am nächsten ist, sodass die Überfahrt nach Asperö die wenigste Zeit in Anspruch nimmt.

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